27. Januar 2021

Berliner Schloss fertig und doch geschlossen

Das Humboldt Forum im Berliner Schloss ist fertig gestellt – alle wesentlichen Baumaß­nahmen sind erfolgreich abgeschlossen, und das Haus wurde zur Nutzung an den kulturellen Betrieb übergeben. Trotzdem konnte es aufgrund des verlängerten Lockdowns nicht wie geplant am 17. Dezember 2020 mit seinen Ausstellungen und Programmen für das Publikum öffnen. Auch der Schlüterhof und die Passage bleiben vorerst geschlossen.

Architektonisch nimmt das Humboldt Forum die barocken Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Schlosses auf und verbindet sie mit modernen Stilelementen. In seiner Neuinterpretation bildet Architekt Franco Stella eine kontrastreiche Einheit. Mit dem öffentlichen Schlüterhof und der neu geschaffenen Passage, einem Fußgängerdurchgang quer durch das Gebäude, öffnet er das Humboldt Forum zu einem neuen lebendigen Stadtquartier.

Architekt Professor Franco Stella. Foto: Stella
Architekt Professor Franco Stella.
Foto: Stella

Franco Stella:

„Das Berliner Schloss war der stadtbaulich-architektonische Regisseur der Straße Unter den Linden und der Museuminsel. Mir ist wichtig, dass durch die Rekonstruktion seiner barocken Bauteile wieder die Beziehungen zwischen den prominentesten Bauten und Plätzen der Mitte Berlin erlebbar werden: Der einstige Stadtregisseur kommt als Lehrer der Stadtgeschichte zurück. Rekonstruierte und moderne Baukörper – mit je unverkennbarer Formensprache – verweisen auf den Ort mit seiner spannungsvollen Geschichte und fügen sich zu einem einheitlichen Gebäude mit vier immer offenen Portalen nach zwei inneren prächtigen Plätzen.“

Umfeldgestaltung

Die neuen Außenanlagen erschließen weitere Zugänge zur historischen Mitte Berlins. Sie wurden vom Land Berlin bzw. dem Treuhänderischen Entwicklungsträger, der DSK, im Rahmen der Entwicklungsmaßnahme Hauptstadt Berlin Parlaments- und Regierungs­viertel gebaut. Der aus einem Wettbewerb hervorgegangene Siegerentwurf des Büros bbz Landschaftsarchitekten stellt die gestalterische Grundlage dar. So ist an der Ostseite ein neuer öffentlicher Stadtplatz an der Spree entstanden: Eine große Freitreppe sowie zwei 90 Meter lange Rampen verbinden den Uferweg an der Spree, die Spreeterrassen mit dem Spreebalkon oben vor dem Humboldt Forum. All dies, der Baumhain und die bereits fertiggestellte, mit breiten Mauern aus Naturstein eingefasste Terrasse, ist seit dem 17. Dezember 2020 zugänglich und zu erleben. Nähere Einblicke in das Humboldt Forum gibt es vorerst hingegen nur virtuell.

2002 hatte der Deutsche Bundestag den Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt Forum entschieden. Eine fraktionsübergreifende Mehrheit folgte der Empfehlung der internationalen Expertenkommission Historische Mitte Berlin für ein Museums-, Wissens- und Begegnungszentrum in der Kubatur und mit drei der barocken Außenfassaden des Berliner Schlosses. Den ersten Preis hatte der italienische Architekt Franco Stella 2008 gewonnen. 2013 erfolgte die Grundsteinlegung mit Bundespräsident Joachim Gauck.

Kosten

Die für den Bau des Humboldt Forums aktuell budgetierten Kosten liegen bei 644 Mio. Euro, von denen der Bund 532 Mio. und das Land Berlin 32 Mio. Euro übernehmen. 80 Mio. Euro werden für die Rekonstruktion der barocken Fassaden ausschließlich durch Spenden privater Förderer finanziert. Bis zur endgültigen Fertigstellung und Abrechnung des Bauvorhabens wird gegenwärtig mit zusätzlichen pandemiebedingten 33 Mio. Euro gerechnet, sodass sich die Gesamtkosten für das Vorhaben auf 677 Mio. Euro addieren würden. Zusätzlich wurden für „bauliche Optionen“ (vollständige historische Rekonstruktion der Kuppel und der Innenportale 2, 3 und 4 mit Durchgängen) etwa 20 Mio. Euro gespendet. Die Kosten umfassen den Bau, die gesamte Ausstellungsgestaltung der Dauerausstellungen sowie die komplette Ersteinrichtung aller Werkstätten und Büros.

Foto: SHF/Alexander Schippel