Freiheits- und Einheitsdenkmal

Berlin bekommt ein Einheitsdenkmal in Mitte, auch wenn das Thema nach wie vor für große Diskussionen sorgt. Einzelheiten zum Denkmal für Freiheit und Einheit, das an die friedliche Revolution und die deutsche Wiedervereinigung 1989/1990 erinnern soll, erläuterte Architekt Johannes Milla in einer Veranstaltung, zu der DIE MITTE e.V. eingeladen hatte.

Der Siegerentwurf des Stuttgarter Büros Milla & Partner (damals noch mit Choreographin Sasha Waltz) beinhaltet eine begehbare Schale, die sich durch die Interaktion der Besucher zu beiden Seiten neigen kann.

Perspektivische Ansicht des Einheitsdenkmals vom Schloss aus (von Norden).
Perspektivische Ansicht des Einheitsdenkmals vom Schloss aus (von Norden). 
Grafik: Milla & Partner

Das Konzept sieht vor, dass sich die Besucher wie bei der friedlichen Revolution von 1989 verständigen und zu gemeinsamem Handeln entschließen müssen, um etwas zu bewegen: Wenn sich auf einer Schalenhälfte mindestens 20 Personen mehr zusammenfinden als auf der anderen, beginnt sich die Schale langsam und sanft zu neigen. Den Skeptikern erklärte Milla, dass die Bewegung eher als Waage wahrgenommen werde, eine Minute dauert das Senken. Der Höhenunterschied beträgt 1,50 Meter, gemessen an der Schalenaußenkante.

Architekt Johannes Milla erklärte das Projekt.
Architekt Johannes Milla erklärte das Projekt.
Foto: Erich Grönke

Das Freiheits- und Einheitsdenkmal entsteht in der Mitte Berlins auf dem Schnittpunkt der historischen Achsen „Unter den Linden“ und „Museumsinsel-Lustgarten-Humboldtforum“, gegenüber dem Westportal des Schlosses. Errichtet werden soll es auf dem noch erhaltenen Sockel des Reiterstandbilds von Kaiser Wilhelm I., zwischen Schlossfreiheit und Kupfergraben. Nachdem das wilhelminische Nationaldenkmal im Zweiten Weltkrieg unzerstört geblieben war, wurde es 1949 vom DDR-Regime abgetragen.

DIE MITTE e.V. hat die Informationsveranstaltung durchgeführt, da sie es für wichtig hält, jenseits der Veröffentlichungen durch Politik und Medien den Bürgern und Anrainern Gelegenheit zu geben, sich direkt ein Bild über die Intentionen und Bedeutung des Werkes zu machen und auch dem Künstler ungefiltert Gelegenheit zur Präsentation zu geben.

Vorstellung des Projekts vor diskussionsfreudigem Publikum.
Vorstellung des Projekts vor diskussionsfreudigem Publikum.

„Persönlich habe ich meine Schwierigkeiten damit, wenn sich eine Generation noch ein eigenes Denkmal setzt“, so Guido Herrmann, Vorsitzender DIE MITTE e.V. „Nachdem nun aber das Verfahren so gelaufen ist, wie es ist, ist ein Bau besser als eine Brache oder ein weiteres 15-jähriges Gezerre.“ DIE MITTE hält es im Übrigen für dringend angebracht, am künftigen Ort auch schriftlich, in Bildern und sonstigen Zeugnissen sichtbar zu machen, was dort früher war. Das gehöre zum Teil kultureller Bildung im öffentlichen Stadtraum.

Das Denkmal sollte ursprünglich – vorbehaltlich der Zustimmung der Parlamente und der Freigabe der Mittel durch den Deutschen Bundestag – zum 30. Jahrestag des Mauerfalls 2019 eingeweiht werden. Wegen neuer Streitigkeiten – unter anderem zum Standort – wird dieser Termin nicht eingehalten werden können.

Maße
Breite: 50 Meter
Tiefe: 18 Meter (über die Querachse)
Begehbare Fläche: ca. 700 Quadratmeter
Höhe (vom Sockel): 5,72 Meter
Gewicht: ca. 150 Tonnen