Pergamon: Neues Panorama von Asisi

Zu den neuen hochkarätigen Kulturprojekten in Berlin-Mitte und zum Masterplan Museumsinsel gehört das Pergamonmuseum, das derzeit jedoch saniert wird. Um Teile des Pergamonaltars dennoch zugänglich zu machen, wird ein temporärer Ausstellungsbau am Kupfergraben gegenüber der Museumsinsel errichtet und im Spätsommer 2018 eröffnet.

Blick auf den Burgberg im neuen PERGAMON Panorama.
Blick auf den Burgberg im neuen PERGAMON Panorama.
Visualisierung: Asisi

Im temporären Ausstellungsgebäude „Pergamonmuseum. Das Panorama“ wird das Ausstellungsprojekt „PERGAMON. Meisterwerke der antiken Metropole und 360°-Panorama von Yadegar Asisi“ präsentiert. Es werden Teile des berühmten Altars im Original zu sehen sein, darunter der Telephosfries, die Ehrenstatuen der Könige sowie die Dachfiguren des Altars. Die Highlights aus den Beständen der Antikensammlung werden ergänzt mit einem überarbeiteten Panorama von Yadegar Asisi. In der rund 2.000 Quadratmeter großen Ausstellungsinszenierung soll so übergangsweise das Erscheinungsbild der antiken Metropole Pergamon nacherlebbar gemacht werden.

Plakatmotiv.
Plakatmotiv.

Das Panorama führt die Besucher zurück in das Jahr 129 n. Chr. und zeigt ihnen die antike Stadt Pergamon an der kleinasiatischen Westküste. Yadegar Asisi rekonstruierte den Zustand der Stadt in der hohen römischen Kaiserzeit unter der Regierung des Kaisers Hadrian (117–138 n. Chr.). Eingebettet in die Terrassen der Akropolis auf dem 300 Meter hohen Burgberg fügen sich monumentale Bauwerke, darunter mehrere Tempel und ein riesiges Theater in die bergige Landschaft ein.

Die Bildinhalte des ersten Pergamon-Panoramas sind umfassend überarbeitet worden. Ziel war es, das Leben verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in der antiken Stadt noch eindrücklicher herauszuarbeiten. In Zusammenarbeit mit dem Team der Antikensammlung wurden etwa 40 neue Szenen konzipiert und in das Bild eingefügt. Dazu fand zuletzt im Oktober 2017 ein aufwändiges Fotoshooting in einem Berliner Filmstudio statt. Wie bei einer Filmproduktion war ein großes Team für die Kostüme, Requisiten und das Maskenbild verantwortlich: Aufnahmeleiter, Beleuchter sowie Panoramafotografen waren beteiligt, um die bis zu 40 kostümierten Komparsen unter der Regie von Yadegar Asisi und auf der Grundlage eines detaillierten Storyboards verschiedenste Szenen nachstellen zu lassen.

Ein Schwerpunkt lag auf der Darstellung der Dionysien, Festspielen zu Ehren des Gottes Dionysos, die auch im antiken Pergamon stattfanden. Zudem wurden verschiedene Opferszenen auf dem Vorplatz des Großen Altares inszeniert. Auf diese Weise stellt das überarbeitete Panorama einen noch stärkeren Bezug zum Alltagsleben im antiken Pergamon her. Zudem wurden Korrekturen an einzelnen Bauten und der Topographie des Burgberges vorgenommen, die den neuesten Forschungsstand der Grabung des Deutschen Archäologischen Instituts und der Antikensammlung widerspiegeln.

Für die vom Studio asisi gestaltete Ausstellung mit etwa 80 der wichtigsten Werke der Antikensammlung aus Pergamon wurden aufwändige Restaurierungen der Originale durchgeführt. Dies gilt vor allem für die großen Frauenstatuen aus dem Hof und die Skulpturen vom Dach des Großen Altares. Mit Ausnahme der an das Metropolitan Museum of Art entliehenen Statue der Athena Parthenos aus der Bibliothek von Pergamon sind alle berühmten Bildwerke der Stadt zu sehen. Darunter der sogenannte „Schöne Kopf“, das kolossale Haupt des Herakles, die Porträts der Könige, die Tänzerin aus dem Palast, die Prometheus-Gruppe oder die Kreuzband-Athena. Ein Schwerpunkt der Ausstellung besteht in der Verbindung der Skulpturen aus Pergamon mit dem Panorama: Noch deutlicher als 2011 greifen Originale und die künstlerische Umsetzung im Panorama ineinander.

Verschiedene Installationen werden den Besuchern künstlerische Interpretationen zum besseren Verständnis des Gezeigten bieten. Wesentliche Elemente sind dabei neu geschaffene Zeichnungen von Yadegar Asisi, die sich mit den Skulpturen, der Architektur und der Stadtanlage Pergamons auseinandersetzen.

Installation des Telephos-Frieses.
Installation des Telephos-Frieses.

Hinzu kommen virtuelle Visualisierungen wie etwa die 13×7 Meter große Videoprojektion des Pergamonaltars und eine 12×9 Meter große Lichtinstallation, die den Telephos-Fries des Altares eindrucksvoll in Szene setzt. Diese Installation simuliert die sich im Laufe des Tages ständig verändernde natürliche Beleuchtung der Skulpturen auf der Akropolis von Pergamon. Die schon in der Antike für ihre besondere Qualität berühmten pergamenischen Skulpturen, die neu gestalteten digitalen Animationen des Pergamonaltars sowie die immersive Bildwirkung des Asisi-Panoramas fügen sich zu einem einzigartigen und zukunftsweisenden Gesamtkonzept. Das originale Erscheinungsbild der antiken Metropole Pergamon wird so eindrucksvoll nacherlebbar.

Die Außenperspektive des Pergamon-Panoramas. Visualisierung: Spreeformat architekten GmbH
Die Außenperspektive des Pergamon-Panoramas.
Visualisierung: Spreeformat architekten GmbH

Der architektonische Entwurf des temporären Gebäudes stammt vom Berliner Büro „spreeformat architekten“. Das zweigeschossige Haus enthält Ausstellungsräume, ein Café und einen Shop und ist von der Rotunde des Panoramas geprägt. Die Ausstellung „Pergamon“ wurde von der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin konzipiert und von „Studio asisi“ gestaltet. Das Gebäude wird voraussichtlich bis 2024 für das Ausstellungsprojekt „PERGAMON. Meisterwerke der antiken Metropole und 360°-Panorama von Yadegar Asisi“ genutzt.